Eingangsbereich des Klostermuseums

1200 Jahre Geschichte auf 15 Zeittafeln

Hier wird den Besuchern die Klostergeschichte  auf übersichtlich gestalteten Schrifttafeln und nach Jahrhunderten gegliedert nahegebracht.

Sarnon

Die este schriftliche Erwähnung des Ortes SARNON stammt aus einem um 1000 n.Chr. erstellten Besitzverzeichnis des Klosters Werden. Bis zur Gründung des Klosters Mariensaal bleibt dies der einzige schriftliche Hinweis auf die Existenz eines Siedlungsplatzes auf dem westlichen Ruhrufer gegenüber dem bereits 811 genannten Dorf Menden.

Über 1200 Jahre ergrabene oder durch Dokumente gesicherte Geschichte belegen die Besiedlung auf dem Gelände KOSTER SAARN:

Fränkische Gräber des 8. Jahrhunderts, eine befestigte Hofanlage, einen 600 Jahre bestehenden Zisterzienserinnenkonvent, eine Gewehr- und Tapetenfabrik und ein Sägewerk, die Nutzung als Wohnungen und heute ein bedeutendes geisliches, kulturelles und bürgerschaftliches Begegnungszentrum in der Stadt Mülheim an der Ruhr.

8. / 9. Jahrhundert

Vom späten 8. bis zum frühen 10. Jahrhundert bestand am nord-östlichen Hang ein kleiner Friedhof. Dem Brauch der Zeit entsprechend sind die Verstorbenen mit ihrer Tracht auf die letzte Reise geschickt worden.

Die damaligen Siedler errichteten in etwa 30 m Entfernung ein einzelnes kleines Holzgebäude. Die herausragende Alleinlage, die Ausrichtung und das Fehlen weiterer Bauspuren aus karolingischer Zeit lassen vermuten, dass hier eine kleine Holzkirche oder Kapelle stand.

10. / 12. Jahrhundert

An der strategisch günstigsten Stelle an einer Ruhrfurt ließ ein unbekannter Grundherr eine befestigte Hofanlage auf dem späteren Klosterplateau errichten.

Zu Beginn des 10. Jahrhundets begannen die Arbeiten an einer, bis zu 1,50 m mächtigen, durch Pfeilervorlagen verstärkten Mauer. Weitere Gebäudereste aus unterschiedlichen Bauphasen vom 10. bis 12. Jahrhundet wurden 1981/82 und 1987 ausgegraben. Nur in einen Raum aus dieser Zeit vor der Kirchenwestwand kann man heute durch eine Glasscheibe hineinschauen.

Zur gleichen Zeit, als auf dem späteren Saarner Klosterareal die befestigte Hofanlage aus nicht bekannten Gründen aufgegeben wurde, verließen Mönche aus der mächtigen Benediktinerabtei Cluny in Burgund mit ihrem Abt Robert von Molesme ihre reichgewordene und bequeme Abtei, um in der Einöde von Citeaux ein neues Kloster zu gründen, streng ausgerichtet nach den Regeln des Mönchvaters Benedict von Nursia (gestorben etwa 550).

Das Unternehmen drohte wie viele Reformbewegungen der Zeit zu scheitern, bis Bernhard, der spätere Abt von Clairveaux mit zahlreichen Verwandten und Freunden in den neu entstandenen Orden der Zisterzienser eintrat.

Zu seinen Lebzeiten verbreitete sich die Ordensgemeinschaft über ganz Europa. Die erste Gründung auf deutschem Boden war im Jahre 1123 die Abtei Kamp am Niederrhein. 

13. Jahrhundert

Nach den Männerklöstern entstanden auch zahlreche Frauenzisterzen. Das este Frauenkloster unter der Aufsicht des Abtes von Kamp ist Saarn. Die Gründungsgeschichte der Saarner Abtei liegt im Dunkeln. Eine Kamper Chronik, die nach 1470 angelegt wurde, nennt als Gründungsjahr von Mariensaal 1214. Eine andere Quelle nennt das gleiche Jahr für die Aufnahme eines bereits bestehenden Konvents in den Ordensverband der Zisterzienser.

Vieles spricht für den Beginn des klösterlichen Lebens in Saarn bereits zu Anfang des 13. Jahrhunderts. Es mussten die wichtigsten Gebäude bereits  1214 vorhanden gewesen sein, da das Voraussetzung war für eine Aufnahme in den Zisterzienserorden.

Das Memorienbuch der Saarner Nonnen verzeichnet unter dem 1. März:

" herr Henricus ist Fundator unser Kirchen gewest, und hat uns vill guts gethan"

Aber wer war dieser Herr Henricus, und wann hat er gelebt?

Die Saarner Schwestern müssen für die Aufnahme in den Zisterzienserorden bedeutende Fürsprecher gehabt haben, denn das Generalkapitel in Citeaux hatte zu dieser Zeit jede Aufnahme in die Ordensgemeinschaft untersagt. Zwischen 1214 und 1221 besuchte der mächtige Reichsverweser und Erzbischof von Köln Engelbert das Kloster Saarn. Er veranlasste die Schenkung eines Waldes und half damit dem Kloster aus der schwierigen Zeit des Anfangs.

In der erhaltenen Urkunde schrieb er:

Während wir einst kamen an diesen Ort der damals jungen Pflanzstätte des Zisterzienserordens, Saal der seeligen Maria geheißen um den Friedhof der Kirche zu weihen, und wir die beengten Verhältnisse desselben Ortes gesehen hatten.

1223 erhält der Konvent das große Ordensprivileg, das die Saarner Nonnen unter den besonderen Schutz des Papstes nimmt und freistellt von jeder Einflußnahme durch kirchliche und weltliche Obrigkeiten.

Die Saarner Klostergemeinschaft war personell offenbar so erstarkt, dass 1234 bereits Nonnen zur Neugründung des Klosters Himmelsweg in Duissern bei Duisburg geschickt werden konnten.  Von dort aus erfolgte 1240 die Gründung des Klosters Marienbächlein in Sterkrade.

Im Jahre 1280 lebten nach der Kamper Chronik in Saarn 30, in Duissern 28 und in Sterkrade 20 Nonnen.

14. Jahrhundert

Personell wie wirtschaftlich war das Kloster erstarkt. Das dokumentiert sich auch in den Baumaßnahmen des 14. Jahrhunderts, vor allem aber am Zugewinn duch Stiftungen und Schenkungen. Am Ende des Jahrhundets besaß die Abtei allein auf Mülheimer Gebiet 25 größere Güter und Zehnten. Den Urkunden war das Siegel der Äbtissin und des Konvents angehängt. 

Nach dem Konventssiegel, das in allen Klöstern den gleichen Bildinhalt hatte,  wurde der Brunnen im Kreuzganghof von dem Mülheimer Künstler Ernst Rasche gestaltet.

15. Jahrhundert

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung sank die strenge klösterliche Disziplin und endete schließlich mit dem Verfall auch der wirschaftlichen Vehältnisse. 1476 sah sich der Kamper Abt gezwungen, die Saarner Äbtissin durch eine Nonne aus dem Kloster Sterkrade zu ersetzen.

Manche Gebäude waren baufällig geworden und da 100 Rheinische Goldgulden nicht ausreichten, um die Bauarbeiten zu vollenden, musste die Abtei Kamp einen Teil ihrer silbernen Gerätschaften verkaufen. Die Vielzahl von kleineren und größeren Baumaßnahmen verwandelte den Klosterbezirk für vier Jahrzehnte in eine Dauerbaustelle.

16. Jahrhundert

1570 erfährt man zum ersten Male, dass die Lehren der Reformation den Saarner Konvent erreicht hatten. Schwierig wurde die Situation, da der Landesherr Wilhelm der IV. in Düsseldorf nach anfänglicher Zuneigung zur Reformation katholisch geblieben war,  Graf Wirich der VI. auf Schloss Broich aber sich aus Überzeugung für die Verbreitung der reformierten Lehre einsetzte. 

Neben den konfessionellen entstanden auch wirtschaftliche Streitigkeiten. Dabei mischten sich auch die Verwandten der Nonnen ein. Dem Abt der Abtei Kamp ging es schließlich um die Fernhaltung des weltlichen Einflusses. So standen sich bis zum Ende des Jahrhunderts die Parteien aus unterschiedlichen Gründen unversöhnlich gegenüber.

Spanische und niederländische Söldnertruppen zogen brennend und mordend durch das ganze Herzogtum. Schloß Broich wurde angegriffen und Graf Wirich ermordet. Das Kloster Saarn überstand diese Zeit unbeschadet.

17. Jahrhundert

Das neue Jahrhundert brachte nicht des Ende der innerklösterlichen Querelen. Erst 1619 wurde das Klosterleben im Sinne der Zeit und des Zisterzienserordens geordnet. Damit wurde der Grundstein für die weitere Entwicklung in der Barockzeit gelegt.

Die Äbtissin Anna von Deutz versah 22 Jahre ihr Amt. Dann wurde sie 1641 Opfer eines Streites innerhalb des Konvents, blieb aber bis zu ihrem Tode 1675 in der Saarner Klostergemeinschaft. Ihre Grabplatte ist die älteste  erhaltene und steht heute als erste links neben der Nonnenpforte im Kreuzgang. 

18. Jahrhundert

Die Wirren der letzen Jahrhunderte waren überstanden. 1729 ließ die Äbtissin Maria Theresia von Reuschenberg ein neues Äbtissinnenhaus im Klosterbereich errichten und bezog 1735 ein zweites außerhalb der Klosteranlage.

Ihre Nachfolgerin Johanna Wilhelmine von Bentinck vollendete die barocke Umgestaltung und Einrichtung des Klosters. Ihr Wappen prangt über dem Eingang zum Klosterhof, als Tafel über der Nonnenpforte im oberen Kreuzgang, auf zahlreichen liturgischen Geräten und ihre Initialen JWB an einer der alten Kirchenbänke.  Ein weltlich geprägtes stiftisches Leben hatte Einzug gehalten. 

19. Jahrhundert

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 nahte das Ende des Saarner Kovents. 1808 mussten die Damen das Kloster verlassen, die Räume wurden versiegelt, das Inventar versteigert, und die gesamte Anlage wurde eine staatliche Domäne.

Die letzte Äbtissin fand 1822 ihre Ruhe unter dem großen Kreuz vor der Kirche.

Bereits 1815 wurde in den Klostergebäuden eine Gewehrfabrik eingerichtet, die 47 Jahre Gewehre und Handfeuerwaffen produzierte. Nach der Verlegung der Gewehrfabrik wurden die Gebäude 1862 von dem Sägewerksbesitzer Backhaus erworben.

1874 war in einen Teil der Gebäude die Tapetenfabrik Niederhoff eingezogen, und im Kreuzgang hatte ein Bauer seine Stallungen für das Vieh untergebacht.

Die alte Klosterkirche - seit 1808 Pfarrkirche - erhielt 1895/96 einen Erweiterungsbau mit Turm, dem das alte Chorjoch mit Apsis und die mittelalterlichen Einrichtungen zum Opfer fielen. Die Kirche verlor das typische Aussehen einer  Zisterzienserinnenkirche, ein bis dahin schlichtes Langhaus mit einem Dachreiter für die kleine Glocke.

20. Jahrhundert

1906 kaufte August Thyssen die Klostergebäude.

1913 brannte ein Teil der Tapetenfabrik in den nördlichen ehemaligen Wirtschftsgebäuden völlig aus.

1928 wurden die ausgebrannten nördlichen Wirtschaftsgebäude abgebrochen, um den neuen Ruhrübergang mit der B1 zu schaffen.

1930 richtete die Stadt Mülheim in den ihr überlassenen Gebäuden Wohnungen ein. 


1950
begannen erste zaghafte Versuche einer Restaurierung von Kirche und Kreuzgang.

Von 1979 bis 1989 wurde ein wesentlicher Teil der Klosteranlage sorgfältig bauhistorisch untersucht, restauriert und neu gestaltet.

Aktualisierung: 30.11.2015 - 13:32 / Redakteur: webmaster
eine Seite zurückzum Seitenanfangzur HomepagelogIN